Gameboy Revival

Mit dem neuen Raspberry Pi Zero 2 W zum leistungsfähigen Retro-Handheld

Gameboy Revival
Photo by Terry Lee / Unsplash

Der Raspberry Pi ermöglicht ja bekanntermaßen eine schier unglaubliche Fülle von Anwendungsmöglichkeiten. Eine davon ist unter anderem die Möglichkeit kompakte Retrokonsolen zu befeuern. Der Trend zum Retro-Gaming ist seit Jahren ungebrochen und dank einer riesigen Community, die sich dem Erhalt und der Emulation nahezu aller jemals auf dem Markt befindlichen Konsolen verschrieben hat, wird das wohl auch noch länger so bleiben. Entsprechend gibt es in diesem Bereich auch eine große Fülle an druckbaren Vorlagen für Gehäuse, aber auch einen richtigen Markt für gut gemachte Nachbildungen der bekanntesten Modelle aus den Achtziger und Neunziger Jahren.

Eine Sonderrolle nehmen hierbei tragbare Konsolen ein. Diese müssen neben dem Gehäuse auch zwangsläufig Eingabegeräte als auch ein Display mitbringen, damit das Gesamtpaket auch als solches nutzbar ist. Problem der tragbaren Geräte ist aber auch, dass sie immer einen Kompromiss aus Leistung und Akkulaufzeit bilden. Hier kommt der wieder der sehr energieeffiziente Raspberry Pi Zero 2 W ins Spiel. Dieser ist nicht nur sehr kompakt, sondern bietet in der neuesten Auflage auch eine ganze Menge Leistung mit seinen 4 ARM-Kernen bei 1 GHz Takt und 512MB RAM.

Gegenüber seinem direkten Vorgänger benötigt er kaum mehr Energie, bietet aber ein Vielfaches der Prozessorleistung und bringt auch WiFi direkt mit. Aufgrund der unveränderten Bauform und des beinahe identischen Layouts, kann er seinen Vorgänger in aller Regel ohne Aufwand ersetzen. Bei einem Preis von gerade einmal 15€ ist das ein starkes Paket.

Für das Vorgänger Modell gab es bereits ein hervorragendes Retrogehäuse, das GPi Case von Retroflag. Dieses lässt sich aus den oben genannten Gründen glücklicherweise problemlos mit dem Pi Zero 2 kombinieren.

Fehlt nur noch die passende Software. Hier kommt die Retrodistribution RECALBOX ins Spiel. Diese ist komplett auf das optimale Retro-Gaming-Erlebnis optimiert und bietet eine enorme Fülle an Emulatoren und Zubehör. Ganz frisch wurde auch ein spezielles Image für das GPi Case in Verbindung mit dem RPi Zero 2 als Beta-Version veröffentlicht. Also die idealen Voraussetzungen, sich das Ganze mal anzusehen.

Im Folgenden habe ich den Zusammenbau dokumentiert:

Lieferumfang des GPi Case von Retroflag

Im Lieferumfang ist alles was man neben dem Raspberry und Akkus benötigt. Sogar ein Schraubendreher liegt bei. Die Anleitung fällt allerdings extrem spärlich aus. Für den Zusammenbau reicht das aber, wenn man nicht grade zwei linke Hände hat.

Die Bestandteile des Cartridge von der Innenseite ...

Das Gehäuse fällt etwas kleiner aus als der Original-Gameboy den man vielleicht früher mal in den Händen hatte. Tolles Detail: der Raspberry wir im stilisierten Game-Cartridge verbaut.

... und der Außenseite

Der Einbau ist schnell erledigt. Hier zeigt sich dann auch warum man keinen Raspberry mit GPIO-Pinleiste einsetzen kann. Die Verbindung zur mitgelieferten Adapterplatine wird komfortabel über hochwertige sog. Pogo-Pins hergestellt. Wem das nichts sagt: das sind Federkontakte in Form von abgerundeten Pins, die perfekt in die unbestückten Durchsteckkontakte des Raspberry passen.

Sandwich aus Raspberry Pi Zero 2 und GPi Adapterplatine mit Pogo-Pins

Die Stromversorgung wird über ein sehr kurzes Flachbandkabel mit Stecker zur entsprechenden Buchse des Einplatinencomputers hergestellt.

Seitlich ist der SD-Kartenslot herausgeführt

Das Ganze wird dann wie ein Sandwich zusammengelegt und zwischen die beiden Gehäusehälften des Cartridge gelegt. Diese werden dann mit den mitgelieferten 4 kleinen Schrauben zusammengehalten. Das sorgt dann auch dafür, dass die Pogo-Pins sicheren Kontakt zwischen den beiden Platinen haben.

Das Sandwich im Cartridge vor ...

Fertig sieht Cartridge aus wie ein Gameboy-Spiel. Sogar an einen entsprechenden Aufkleber hat der Hersteller gedacht.

... und nach dem Zusammenbau

Das Cartridge muss dann nur noch in das Hauptgehäuse gesteckt werden. Dort ist eine Kontaktleiste, die, ähnlich wie beim echten Gameboy das Cartridge aufnimmt und die Verbindung herstellt.

Der Rest des Gehäuses mit der Aufnahme für das Cartridge

Die Optik ist sehr überzeugend. Das Cartridge wird im Betrieb durch den Powerschalter gegen versehentliches Herausrutschen gesichert - wie beim großen Vorbild.

Das eingesteckte Cartridge 

Anders als das Original aus Kindheitstagen reichen dem GPi Case drei Akkus vom Typ AA. Man sollten allerdings darauf achten, hochwertige Akkus einzusetzen, da benötigte Leistung sonst nur kurzen Spaß erlaubt. Die 3x1,2V werden von der Elektronik des GPi Case dann noch auf die vom Raspberry benötigten 5V hochtransformiert. Nicht ideal, aber läuft! Alternativ kann der Handheld auch über eine Powerbank oder einem USB-Netzteil und dem mitgelieferten Stromkabel betrieben werden. Das erlaubt dann mehr Ausdauer aber kostet Freiheit aufgrund der Leine, an die unser Handheld dadurch gelegt wird.

Hochwertige Batterien sind Pflicht, damit die Stromversorgung gewährleistet ist

Ein Laden der Akkus ist im Gehäuse nicht möglich. Hierzu gibt es aber Anleitungen im Netz, wie mit einer winzigen Ladeelektronik auch direkt NiMH-Akkus wieder im Gehäuse aufgetankt werden können. Alternativ könnte auch ein LiPO-Akku als Mod eingebaut werden. Sogar für den Einbau eines Qi-Laders findet sich etwas.

Retroflag liefert auch noch ein Skript mit, mit dem man sicherstellt, dass beim Ausschalten des GPi der Raspberry nicht einfach vom Strom getrennt wird, sondern sauber heruntergefahren wird. Tolle Lösung. Man sollte aber nicht vergessen, dazu den winzigen Schalter im Batteriefach in die richtige Position zu bringen (Safe-Shutdown -> ON).

Zur Nutzung des Handhelds schreibe ich später mehr. Ein erster Fazit: die Leistung ist mehr als ausreichend für die meisten Spiele, die man auf dem kleinen Schirm (2,8" bei 320x240) spielen möchte. Sogar die Shareware-Versionen von Doom und sogar Quake laufen super flüssig.

Danke der WiFi-Funktion des Zero 2 W kann man auch die Netzwerkfunktionen von Recalbox nutzen, um beispielsweise eigene ROMs auf die SD-Karte zu bekommen, ohne diese ausbauen zu müssen. Das sog. Scraping der ROMs, also das Ergänzen um Meta-Daten und Coverbilder etc. geht so auch direkt über das Internet auf dem Gerät.

Sollten die Cartridges auch wieder einzeln verfügbar sein, wäre es zudem ganz einfach möglich für einzelne Familienmitglieder eigene, personalisierte Cartridges zu bauen, die dann vielleicht nur altersgerechte Spiele für die Kinder enthalten. Eine praktische Lösung.